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Unterwegs

Fresskoma in Österreich

Das neue Jahr ist nun schon fast eine Woche alt und meint es bisher gut mit mir. Denn normalerweise leide ich in dieser Zeit unter einer Neujahrs-Depression, die etwa zwei Wochen dauert, dann langsam verschwindet, um einige Wochen später wieder abgelöst zu werden von einer Karnevals-Depression, die dann recht nahtlos übergeht in die lethargische „Oh, schon März, das Jahr ist ja schon wieder fast um, na jetzt brauch ich mein Wonderwoman-Kostüm auch nicht mehr aus der Reinigung zu holen!“-Phase. Ernsthaft.

Diesmal ist es anders, denn diesmal habe ich der Neujahrs-Depression einen mächtigen Gegner vor die Nase gesetzt. Ein mit Käse überbackenes, gut gewürztes Glücksbärchi. Am 2. Weihnachtsfeiertag machten M. (Snowboarder, Freund von verlassenen Orten, brach mir beim Monopoly das Herz) und ich uns auf den Weg nach Österreich, wo wir eine ganze Woche lang eigentlich nur gegessen haben. Zusammen mit D. (bombastisches Mädchen mit den roten Haaren und Schwester im Geiste), A. (professioneller Pizzateigkneter und begeisterter Instagram-Nichtanwender), J. (Motivator und tiefenentspannter Monopoly-Hippie) und C. (Bergziege gefangen im Körper eines sehr treuen, sehr perfekten Hundes). Ein beeindruckendes Rudel.

Es folgt nun eine kurzweilige Chronik des Urlaubs inkl. Serviervorschlag verbunden mit der Bitte an euch, auch öfter mal irgendwohin zu fahren und dort tagelang nur Essen zu kauen, Filme zu schauen und das Nichtstun zu zelebrieren.

Tag 1 – Hot Dogs mit Kartoffelsalat

Um fünf Uhr morgens sitzen wir im Auto. Der eine fährt, die andere döst, weil sie bis zwei Uhr noch am Laptop saß um einen Blogartikel fertig zu schreiben. Es läuft „Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär“. An einer Raststätte etwa 100 Kilometer vor München begegnet uns ein sehr unzufriedener Mann in einem grünen Anorak. Während er sein Kind im Arm hält – das einen unschuldigen und von der väterlichen Scheißheit völlig unbeeindruckten Eindruck erweckt – ist er in der Lage dazu, mit seinem messerscharfen Verstand und seinen Adleraugen den vegetarischen vom nicht-vegetarischen Brötchenbelag zu unterscheiden.

Anorak-Mann: „Was ist das?“
Geduldige Verkäuferin: „Das ist mit Gemüse.“
Anorak-Mann: „Und das da auch?“
Geduldige Verkäuferin: „Das ist mit Pute.“
Anorak-Mann: „Nein, das ist auch mit Gemüse.“
Geduldige Verkäuferin: „Das ist mit Pute, das hab ich eben erst belegt.“
Anorak-Mann: „Das ist mit Gemüse, das seh ich doch. Ich nehme das andere.“

Gemüse, Pute, vollkommen egal. Alle in der Schlange hassen den Mann. Ich beschließe, mich in den nächsten Wochen so oft wie möglich aufzuregen und dann zu rufen „Ich könnt mich aufregen! Wie so´n Mann im grünen Anorak!“ Bis alle anderen es dann auch so oft wie möglich sagen, auch all jene, die den Mann im grünen Anorak gar nicht kennen.

franziseibel_2015-12-26_16-10-01Die Ferienhütte liegt in Gries in über 1000 Meter Höhe und wir müssen unseren Urlaub dort verbringen, weil D. den Aufenthalt aus Versehen vor ein paar Monaten für uns gebucht hat. Das Beste neben dem unschlagbaren Preis ist die tolle Lage. Eine kurvenreiche Straße führt erst den Berg hoch durch ein Stück Wald, dann begegnet man dem Hund Simon* (*Name von der Redaktion willkürlich gewählt, weil es immer ganz nett ist, unbekannten Tieren auf Anhieb Namen zu geben und es kein Gesetz der Welt gibt, das dem Menschen vorschreibt, dass man Tiere „Struppel“ oder „Muschi“ nennen soll.) Nach ein paar weiteren Höhenmetern erreicht man schließlich das Grundstück, wird sehr freundlich begrüßt und staunt erst über den genialen Ausblick und dann über das gemütliche Innere.

Ein paar Stunden später hat auch der Rest es geschafft und gemeinsam verbringen wir einen ersten wunderbaren Abend bei Kaffeeschnaps und Wein und Hot Dogs und guten Gesprächen, die das Allerwichtigste und Schönste an so einem Urlaub sind.

Tag 2 – Hot Dogs mit Nudelsalat

Ich schlafe gut. Die letzten Wochen waren geprägt von einer suizidalen Magenschleimhaut und einem Dauerschmerz der Lendenwirbelsäule. Beides hat sich über Nacht in Luft aufgelöst.

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Ich schlafe wie ein Baby und beginne den Tag mit einem Buch und einem Cappuccino draußen auf der Bank. Die Sonne scheint, ich kann die Berge sehen und Hoffnung und eine glückliche Zukunft und auch ein paar Fruchtfliegen, denn die Temperatur hat sich im Monat geirrt.

Nachmittags treffen wir einen grauenhaften Entschluss. Wir wollen spazieren gehen. Der Vermieter hatte uns bei unserer Ankunft eine handgezeichnete Karte vorbeigebracht, auf der er mit dem Finger entlang fuhr und Dinge zu mir sagte in Elben-Sprache oder Österreichisch, das weiß ich leider nicht genau. Fasziniert vom Klang seiner Stimme habe ich jedenfalls kein Wort verstanden, nur „gemütlich“ und „schöne Aussicht“. Aber ich kann mich hier auch irren, meine körperliche Verfassung nach der kleinen Wanderung legt das jedenfalls nahe.

franziseibel_2015-12-27_18-29-29Zunächst spüre ich nichts außer ein bisschen Vorfreude und das leise, liebgewonnene Fauchen meiner Lunge. Es ist egal wie steil es bergauf geht, sie beschwert sich grundsätzlich, seit vielen Jahren, das ist in Ordnung, man gewöhnt sich daran. Nach zehn Minuten haben D. und ich allerdings das Gefühl, dass das vielleicht doch kein so gemütlicher Spaziergang wird. Der Hund tollt, die Männer lachen, einer von ihnen hat sich einen Wanderstock gegriffen und angefangen irgendetwas von „Mind over body“ in unsere Richtung zu rufen. Wir haben uns den steilsten Aufstieg ausgesucht, unser erstes Ziel soll die Ameisen-Station sein, dann eine Art Aussichts-Plattform, auf halber Strecke stellt mein Oberkörper seine Funktionen weitest gehend ein, damit meine Beine mich tragen können. Unsere Hände krallen sich in die Erde, halten sich daran fest, damit wir nicht nach hinten umkippen. Wir umarmen Bäume, wir keuchen, wir denken übers Kotzen nach. Der Hund tollt immer noch. Der Weg zurück bietet dann übrigens tatsächlich eine tolle Aussicht. Ein bisschen Sterben kann sich also ein bisschen lohnen, wieder was gelernt.

Tag 3 – Pizza-Raclette

Wir schauen uns Bad Gastein an. Man nennt den Ort auch das Monte Carlo der Alpen und wer mal danach googelt, weiß warum. Ich warte, während wir uns ein bisschen umsehen und ein paar Fotos vom Wasserfall machen, auf den Moment, an dem ich von einem bestimmten Platz aus ein halbwegs charakteristisches Bild der sehr imposanten Bauten machen kann, aber das ist gar nicht so einfach.

franziseibel_2015-12-28_15-29-52Wahrscheinlich braucht man dafür einen Helikopter oder muss bei irgendwem aufs Dach steigen. Oder eben irgendeinen steilen Hang hochmarschieren, aber das haben wir ja bereits unter Tränen hinter uns gebracht.

Abends passiert etwas Magisches. Denn es gibt Pizza-Raclette. Quasi Liebe zum Quadrat. Als würde man niesend in einem Whirlpool sitzen.

Stundenlang kann man in kleine Schälchen greifen, gefüllt mit Schinken und Zwiebeln und Salami und Ananas und Pilzen und Thunfisch und anderen Glücksbringern. Und während man wartet, bestaunt man die Kreationen der anderen und spricht über den Sinn des Lebens und kommt beinahe zu dem Ergebnis, dass Pizza-Raclette dem schon sehr nahe kommt.

Tag 4 – Hawaii-Toast

Während der eine Teil den Tag auf Brettern im Schnee verbringt, frühstückt der andere Teil stundenlang und fragt sich, warum die Welt immer verrückter wird, wann Spiritualität wehtut und ob Frauenmagazine außerhalb von Zahnarztwartezimmern eine Daseinsberechtigung haben. Später schlüpfen wir beim The-Walking-Dead-Monopoly in verschiedene Rollen. D. und ich benehmen uns wie man es von Frauen erwartet. M. und A. benehmen sich, wie man es von Männern erwartet und J. benimmt sich, wie man es von Hippies erwartet. Er beharrt darauf, dass ein Pferd und eine Flasche Wasser am Tag genügen, um glücklich zu sein und hat damit auch eine lange Zeit viel Erfolg.

Ich erlebe eine große Enttäuschung, weil M. mir die letzte dringend benötigte rote Straße nicht verkaufen möchte, die ich brauche, um einigermaßen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Seine gleichmütige Art nimmt mir den Lebensmut, Stunden später liege ich noch lange wach und frage mich, ob das alles einen Sinn macht und ob ich, abgesehen von „Das verrückte Labyrinth“, jemals Spaß an einem Gesellschaftsspiel haben werde.

Tag 5 – Nudeln

Der darauf folgende Abend beantwortet mir diese Frage recht schnell: Es ist nahezu unmöglich für mich, Gesellschaftsspiele zu spielen, ohne dabei ein winziges kleines bisschen Hass zu empfinden. Was mich hingegen glücklich macht, sind Chips und Würmchen* (*Nicht Flips! Würmchen!!!) und Wein und Lachtränen und das Gefühl, von Menschen umgeben zu sein, vor denen ich mich nicht verstecken muss.

Der erste „Planet der Affen“-Film aus dem Jahr 1968 ist übrigens gar nicht so doof, wie ich immer behauptet hab. Ohne ihn je gesehen zu haben.

Tag 6 – Chili Con Carne

Es geht dem Jahresende und dem Ende unseres Urlaubs entgegen. Endzeitstimmung macht sich breit, wir brauchen unbedingt noch ein bisschen Schnee, um überhaupt mit Gewissheit sagen zu können, dass wir im Dezember ein paar Tage in den Alpen verbracht haben.

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Also treffen wir uns mit M. und A. auf dem Kitzsteinhorn im Skigebiet von Kaprun. Die Wintersportler gönnen sich ein Mittagessen und eine Pause, wir anderen ekeln uns zunächst ein bisschen vor der Schlagermusik und loben den Hund dafür, dass er das ganze Affentheater so tapfer akzeptiert. Auf dem Gipfel in über 3.000 Metern Höhe gibt es noch Kaffee und Kuchen, das obligatorische Gruppenfoto und eine phänomenale Aussicht.

Abends feiern wir einen luxuriösen Jahreswechsel: Wir ziehen unsere Jogginghosen an, trinken Mexikaner, spielen „Looping Louie“ und reiben uns die Bäuche. Und ich stelle fest: Viele kleine Feuerwerke von oben zu betrachten ist viel schöner als ein großes Feuerwerk von unten zu betrachten.

Tag 7 – Raclette

Drei Dinge prägen den letzten Urlaubstag in Österreich. Stirb langsam Teil 1 bis 4, Raclette und Mädchenabend. Wobei Stirb Langsam schnell zu einem Männerding wird und der Mädchenabend abgesehen vom Hund schnell zu einem… nun Mädchenabend wird. Raclette ist dann wieder so ein ganz wundervolles und auch furchteinflößendes Gemeinschaftsprojekt.

Es ist ein bisschen wie damals auf Klassenfahrt, der letzte Abend ist immer ein besonderer Abend. Man schmiedet Pläne, findet rote Fäden und ist traurig, dass die siebentägige Weinprobe in 24 Stunden schon wieder Vergangenheit ist.

Jetzt kann ich euch nur noch den Tipp geben, die tolle Lage und den unschlagbaren Preis des Ferienhauses auch mal zu nutzen. Ihr werdet da wunschlos glücklich sein, es gibt ein Bad und zwei Toiletten, Fußbodenheizung, eine große Küche und die Lage ist perfekt, eine dichte Schneedecke hätte dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Die heben wir uns fürs nächste Mal auf.

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Kopf

5 Dinge, die ich im letzten Jahr verstanden habe

Das Jahr sieht verdammt alt aus. Es wird Zeit zurückzublicken auf die Dinge, die mir in 2015 bewusst geworden sind. Es sind Themen, über die ich mir leidenschaftlich den Kopf zerbreche und die auch alle mehr oder weniger aneinander anknüpfen. Wenn ihr diesen sehr langen und auch persönlichen Text jetzt lesen möchtet: Herzlichen Dank für die Ausdauer, legt los!

1) Alle Leute begegnen einander tolerant, respektvoll und wertschätzend. Jedenfalls solange alles mit ihrem rumpelkammergroßen Weltbild übereinstimmt.

Leute, die laute Musik hören, sind aggressiv. Stille Menschen sind schüchtern und ängstlich. Menschen, die viel lesen, sind realitätsfremde Träumer. Leute, die widersprechen, sind respektlose Nörgler. Wer am Wochenende lieber daheim bleibt, hat wahrscheinlich keine Freunde. Solche Vorurteile begegnen uns immer wieder. Und ich glaube ja mittlerweile, dass nur Leute, die die letzten zwanzig Jahre täglich drei Stunden lang meditiert haben, überhaupt keine Vorurteile haben und in der Lage sind, jedem Menschen offen und tolerant zu begegnen. Wir können uns davon alle nicht freisprechen. Einige Menschen übertreiben es leider ein bisschen. Es gibt Menschen, deren Intoleranz immer dann zum Vorschein kommt, wenn es um Merkmale geht, mit denen ein Mensch geboren wird.

Nur: Die Leute suchen sich ihren Hirnstoffwechsel, ihre Gene, ihre Nationalität, ihre Neigungen oder Talente nicht aus. Wenn jemand respektlos zu Ausländern, Homosexuellen, Frauen, Behinderten oder Menschen mit Depressionen ist, dann denke ich immer: Tolle Idee, warum nicht noch Linkshänder und Typ 1 Diabetiker mit auf diese fantastische Liste setzen?

Ja, was fällt denn diesen ganzen Menschen auch ein, einfach so von der Norm abzuweichen?! Seid doch mal weniger schwarz, weniger schwul, weniger schwerbehindert!

Ich begreife das nicht. Warum kann man nicht einfach mal sagen „Ich habe Berührungsängste und die möchte ich abbauen.“? Ich zum Beispiel habe Berührungsängste. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, ich bin mir meiner selbst oft nicht sicher. Ich habe Berührungsängste. Aber feige und ängstlich bin ich nicht, ich kann sie also jeden Tag aufs Neue abbauen. Warum ist die allererste Reaktion auf etwas, das an anderen irgendwie anders ist, so oft Ablehnung? Und könnten die Leute bitte mal aufhören so Sachen zu sagen wie „Er ist Türke, aber er ist trotzdem ein ganz lieber Mensch.“ Hört ihr euch eigentlich manchmal selber zu?

2) Manchmal ist dein Gehirn das dümmste Organ in deinem Körper.

Wenn Hirn und Herz noch im Wachstum sind, dann glaubt man nicht an das Märchen von Körper, Geist und Seele als sensible Einheit und dass sie gegenseitig aufeinander einwirken. Man kennt die Geschichten von all den Menschen, die ein Magengeschwür oder einen Bandscheibenvorfall oder Bluthochdruck haben, weil sie unglücklich sind und denkt: Was für ein Quatsch! Und: Wenn man merkt, dass man unglücklich wird, dann kann man doch etwas dagegen unternehmen!

Manchmal funktioniert das. Man merkt es, man hat schon gewisse Erfahrungen gemacht, man kann gegenlenken. Manchmal nicht. Zum Beispiel, wenn man sich noch nicht wirklich kennen gelernt hat. Wenn man zwar mehr oder weniger weiß, dass man unter gewissen Umständen ein bisschen stressanfälliger ist, es aber nicht wirklich einordnen kann. Was ich in diesem Jahr wirklich begriffen habe: Wenn dein Hirn sich nicht darum kümmert, dann tut es der Rest deines Körpers.

Du denkst: „Was hab ich denn, ich hab doch was!“ Alle paar Monate hast du wie aus heiterem Himmel Todesangst, das erste Mal vor fast genau vier Jahren, und solche Erfahrungen verbuchst du dann irgendwann unter „Vielen herzlichen Dank, sehr inspirierend.“ Meistens ist da aber nur so eine allgegenwärtige XXS-Erschöpfung. An die gewöhnst du dich dann schnell. Du liegst deshalb nicht vier Wochen im Bett. Du bist ja schließlich auch kein Hochleistungssportler, kein Top-Manager, keine berufstätige Mutter. Die haben Stress. Du? Du nicht. Sei dankbar, halt den Mund, werde endlich erwachsen, geh öfter an die frische Luft.

Ich habe bis vor ein paar Monaten überhaupt nicht begriffen, in wie vielen Variationen Stress eigentlich in unser Leben treten kann. Manchmal ist er positiv. Wenn du voll in einer Aufgabe aufgehen kannst zum Beispiel. Oft versteckt er sich und wird von Leuten nie beim Namen genannt. Selbstzensur ist Stress. Ständiger Lärm ist Stress. Gleichzeitig über- und unterfordert zu sein. „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“ ist Stress, wenn man den Satz oft hört und dann jedes Mal denkt: Herzlichen Glückwunsch, wenn alle so denken würden, dann würden wir alle noch in einem Erdloch sitzen. Manchmal hat man den Mut zu sagen „Könnten wir darüber sprechen, es in Zukunft etwas anders zu machen?“ und wünscht sich vergeblich eine Gegenfrage, einen Kompromiss, irgendein Leuchtturmsignal gegen die Unsichtbarkeit.

Den schlimmsten Stress verursacht die Tatsache, dass so viele Leute das alles überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Weil sie es nicht wissen. Weil sie sich einfach nicht vorstellen können, dass irgendwer in ihrer Nähe wegen ihren Selbstverständlichkeiten immer kleiner wird, immer mehr verschwindet und immer mehr Energie aufbringen muss, um halbwegs zu funktionieren. Und weil man kein Wort sagt, weil man den folgenden Punkt noch nicht begriffen hat.

3) Kochendes Wasser macht Kartoffeln weich und Eier hart

Ich bin nicht hochsensibel. Ich meine, vielleicht bin ich es, denn immerhin habe ich Antennen und friere schnell und kann gut zuhören und weine bei Filmen an Stellen, die definitiv nicht dafür vorgesehen sind. Aber ich mag dieses Wort nicht. Ich will kein Häufchen Elend sein, keine Mimose, kein Sensibelchen. Auch wenn ich das manchmal bin, es wird mir aber nicht gerecht. Soviel Selbstbewusstsein muss sein.

Es gibt aber definitiv eine Kategorie, in der ich mich gut aufgehoben fühle und seitdem ich mich darüber informiert habe, kann ich mich besser verstehen. Ich bin introvertiert und deshalb ist in den letzten Jahren das mit mir passiert, worüber ich im 2. Punkt gesprochen habe. Ich bin introvertiert und ich kann acht Stunden lang in einer Arbeit aufgehen, wenn ich nicht ständig die Rollen wechseln muss oder permanent unterbrochen werde. Ich kann stundenlang zuhören, ich nehme Gefühle bei anderen wahr, ohne dass irgendjemand darüber spricht. Ich kann zwischen den Zeilen lesen, ich habe ein Auge für Zusammenhänge, aber darüber sprechen, vor Publikum, das kann ich nicht, da pisse ich mir in die Hose und das ist immer recht unangenehm. Warm, aber doof. Wenn ich jemanden gut kenne oder das Gefühl habe, dass ich einigermaßen ich selbst bleiben darf, dann unterhalte ich mich gerne, dann bin ich beinahe sympathisch, beinahe unterhaltsam, beinahe jemand, den man nicht übersieht.

Ich bin introvertiert und das ist einerseits ziemlich enttäuschend, denn es gibt Situationen, da weiß ich genau, dass mich jetzt einige für einen wahnsinnig langweiligen Menschen halten. Weil ich in größeren Runden sehr oft den Mund halte. Nur so dasitze. Nicht euphorisch bin. Weil ich manchmal nicht besonders gut in Small Talk bin. Dafür kann man mich in einen Raum einsperren und es würde eine ganze Weile dauern, bis mir klar wird, dass ich mich doch eigentlich längst langweilen sollte.

Ich brauche nicht viel, um auf irgendeinen Gedanken zu kommen, ich bin mir selbst genug, und weil das Denken und das Reflektieren und das Fühlen mir nicht schwer fallen und mir auch nicht so eine Heidenangst einjagen, trage ich diese grundlegende kleine Erschöpfung mit mir herum.

Spätestens seit diesem Jahr weiß ich, dass ich damit nicht alleine bin. Dass Introvertiertheit etwas vollkommen normales ist, so wie Extrovertiertheit etwas vollkommen normales ist. Beide haben nur völlig unterschiedliche Ansichten und Vorstellungen und auch Ansprüche an einen perfekten Tag. Ein und dieselbe Ausgangssituation führt bei diesen zwei Persönlichkeiten zu verschiedenen Ergebnissen.

Kochendes Wasser macht Kartoffeln weich und Eier hart. Die Leute haben leider immer noch ein Problem damit, weil ihnen die Unterschiede gar nicht bewusst sind. Und diese Gesellschaft funktioniert größtenteils nach unausgesprochenen Regeln, die für einen extrovertierten kein Problem darstellen, aber bei einem Introvertierten häufig Kopfschütteln auslösen.

Im nächsten Jahr möchte ich öfter mal etwas zu diesem Thema schreiben. Genau genommen glaube ich, dass dieser Unterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen sich wie ein roter Faden schon seit einer Weile durch meine Texte zieht. Ich konnte das bisher nur nicht klar benennen. Und vielleicht gibt es ja da draußen auch noch Menschen, die wie ich denken, dass der Gegensatz zwischen introvertierten und extrovertierten weitaus schwerer wiegt als der Unterschied zwischen Frauen und Männern. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Und wo wir gerade bei den Frauen sind:

4) Es gibt auf dieser Welt einige großartige Menschen. Viele von ihnen sind Frauen.

Zwischen Frauen im Allgemeinen und mir im Speziellen war immer eine unsichtbare Mauer. Während viele von ihnen keine Mühe haben einander kennen zu lernen, dieselben Interessen zu haben und dann irgendwann im unkomplizierten Partnerlook und einem inoffiziellen Regelkatalog im Kopf putzmunter durch die Gegend zu marschieren, habe ich mir das ganze Theater immer mit hängenden Schultern und tiefen Falten auf der Stirn von außen angeschaut und mich unbehaglich und sonderbar gefühlt. Und recht schnell kam ich dann zu dem ganz eindeutigen Ergebnis, dass offenbar 90 % der Frauen auf dieser Welt total anders ticken als ich und wir abgesehen von ein paar Brüsten nicht viele kleinste gemeinsame Nenner haben.

Bis vor ein paar Jahren war die Mehrheit der Leute, mit denen ich mich gut über den Sinn und Unsinn dieser Welt unterhalten konnte, eher männlich. Und ich dachte, das muss wohl so sein, und fühlte mich mit diesem unbefriedigenden Gedanken immer ein bisschen einsam. Und immer, wenn irgendwo ein Mann darüber jammerte, dass die Frauen es mit ihrer Emanzipation und ihrem ganzen Genderscheiß so langsam übertreiben, dann wurde ich natürlich ein bisschen wütend, dachte aber auch an all die Frauen, zu denen ich keinen Zugang hatte, weil sich ihr ganzes Leben offenbar nur darum dreht, möglichst nahtlos den Übergang zu schaffen von „Unsere kleine Farm“ hin zu „Deperate Housewives“.

Während ich immer noch versuche, herauszufinden, ob meine Einschätzung nicht viel eher eine total ignorante Fehleinschätzung ist, habe ich vor allem in diesem Jahr feststellen dürfen, dass es an jeder Ecke spannende Frauen gibt. Mit denen man reden kann, ohne sich verstellen zu müssen. Und dass man sich selbst bei denen nicht zwangsläufig verstellen muss, die vielleicht im allerersten Moment so sympathisch wirken wie jemand, dem man nach einem Schiffsunglück mit nur zwei Überlebenden auf der einsamen Insel möglichst aus dem Weg gehen möchte. Ich trainiere das noch. Ich muss das trainieren. Man verpasst zu viel, wenn man da nicht aufpasst. Man gewinnt auch viel, wenn man schon als verschrobener alter Kautz zur Welt kommt, aber man verpasst eben auch viel. Zum Glück gibt es Leute, die das akzeptieren. Kreative, humorvolle, kluge, verständnisvolle, herzliche Menschen. Viele von ihnen sind weiblich. Danke dafür, ehrlich.

5) Schreiben ist 1% Magie und 99% Handwerk.

Ich habe mir Anfang 2015 ein Buch gekauft über gutes Schreiben und die dafür nötigen Werkzeuge. Eigentlich war ich nur neugierig darauf zu erfahren, ob es tatsächlich bestimmte Werkzeuge gibt, die einen Text auf Anhieb besser machen können. Es hat mir dann irgendwie die Augen geöffnet. Ich habe es bisher dreimal gelesen, wie einen Krimi, das kann sich wahrscheinlich kaum ein Mensch vorstellen.

Für mich hat das Aneinanderreihen von Worten auch nach dem Lesen dieses Buches immer noch viel mit Magie zu tun. Ich bin fest davon überzeugt, dass es (abgesehen von den ganz nahe liegenden Dingen) nichts gibt, was einen Menschen glücklicher machen kann. Tänzer und Bildhauer können mir jetzt gerne widersprechen. Das Schreiben liegt mir so sehr am Herzen, dass ich innerlich fuchsteufelswild werde, wenn irgendein Schweinehund es wagt, diese Leidenschaft in irgendeiner Art und Weise ins Lächerliche zu ziehen.

Das Buch hat mir allerdings gezeigt: Auch wenn es sich nicht so anfühlt, ganz nüchtern betrachtet ist Schreiben ein Handwerk. Eines mit klaren Regeln. Von denen man natürlich nicht alle, aber wenigstens ein paar anwenden sollte, um einen guten Text zu schreiben. Es hat mir auch meinen eigenen Stil bewusst gemacht, ich habe erkannt, was ich unbewusst seit Jahren richtig mache und was ich in Zukunft besser machen könnte. Das hat mich glücklich gemacht, ganz ehrlich. Es hat die Angelegenheit für mich greifbarer gemacht. Es hat mir gezeigt, dass der Prozess des Schreibens schon lange vorher beginnt, mit einer Notiz, mit einem flüchtigen Gedanken, mit einer Idee, die man in der Eile vielleicht wieder vergisst und nach ein paar Tagen irgendwo zwischen zwei Treppenstufen wiederfindet. Es hat mir die Angst genommen, vielleicht auch ein bisschen die Ehrfurcht. Und ich fühle mich seitdem weniger stümperhaft, wenn ich drei Sätze hintereinander mit dem Wort „Und“ beginne.

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Porzellanladen

Nur glückliche Orangen in der Saftpresse

Wir sterben hier, ganz langsam, und wir fahren in die nächst größere Stadt in irgendein Scheiß Einkaufszentrum und haken Länder ab auf unserer To-Do-Liste und wir fiebern Dingen entgegen, die man halt mal gemacht haben muss, laut Volksmund, obwohl der ja auch viel Scheiße erzählt und sabbert und riecht und spuckt wie ein Lama und in den Zoo können wir auch mal wieder gehen, das ist so schön, da vergisst man, dass wir hier alle ganz langsam jeden Tag ein bisschen sterben. Da können wir uns kleine Äffchen anschauen und bengalische Tiger, die uns nicht fressen können, weil da ja ein hoher Zaun ist.

Wir sterben, wir geben jeden Tag etwas von uns ab, aber man hört und sieht es nicht, es ist nicht wie bei dem Lumpensammler, den hört man ja, wenn er kommt, wie auch immer, wir haben hier in unserer Straße ganz andere Probleme, ganz konkrete Probleme. Der Handyvertrag läuft aus, welches neue Teil hol ich mir? Passen die Kissen zu den Gardinen? Und ist bei den 300 neuen Arrivals meines Lieblings-Online-Shops vielleicht was Passendes für mich dabei?

Und wie mach ich möglichst vielen Leuten unmissverständlich klar, dass ich ein Gewinner bin, ein Macher, der Kompromisse nicht nötig hat, und dass mit mir nicht gut Kirschen essen ist. Und Äpfel und Birnen und Weintrauben auch nicht – der ganze Scheiß Obstsalat.

Wir sterben hier, nicht erst seit gestern, das geht schon länger so, aber unsere Zeit ist doch kostbar, vergeuden wir sie nicht durch Grübeleien oder Fragen. Lasst uns lieber die falschen Schlüsse ziehen. Man kann sich ja nicht um alles kümmern und einer alleine sowieso nicht und jeder will am Ende sowieso nur an dein Geld, da fängt die Freundschaft an, da hört sie auch wieder auf, also machst du es vorsorglich zu deinem Thema, deinem Bezugsrahmen, deiner Versicherung, deiner Selbstsicherheit, die du am Bankautomaten abheben kannst.

Und natürlich könnte man sich mal fragen „Warum wurde ich überhaupt auf die Welt geworfen, was mach ich hier, was soll denn das?“, vielleicht könnte man den Menschen wirklich mal in den Mittelpunkt stellen, nicht immer nur irgendwelche Dinge, aber das sind Fragen, die nur ablenken, nicht wahr? Man ist doch pragmatisch, man packt an, man ist ein anständiger Mensch, wann will wirklich für alle immer nur das Beste, hat aber leider keine Zeit, sich mal zu fragen, ob andere da draußen „das Beste“ vielleicht ganz anders definieren. Sollen die doch drüber nachdenken, wir haben uns ja schon entschieden.

Die Sonderbaren. Die Insichgekehrten. Die Träumer. Die stillen und tiefen und undurchsichtigen Gewässer. Die zerdenken das doch gerne und ausgiebig. Wir sind Macher.

Und wir sterben hier ganz langsam, aber es betrifft natürlich erstmal nur die anderen, wir atmen auf, wir bestellen noch eine Runde für alle, wir haben noch Zeit, ganz bestimmt, ganz bestimmt, uns geht das jetzt erstmal nichts an. Lasst uns die letzten fünf Minuten vor Mitternacht nutzen, um uns in einen schönen warmen Kaschmirmantel des Schweigens zu hüllen und mit vollen Bäuchen und leeren Köpfen die immer dünner werdende Luft zu genießen.

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Porzellanladen

Das Abenteuerland ist tot, es lebe das Abenteuerland!

Das LaLeLu Abenteuerland in Korbach – ein Indoor-Park für Kinder – hat vor ein paar Wochen aus wirtschaftlichen Gründen seine Türen geschlossen. Bald sollen dort 400 Flüchtlinge untergebracht werden. Unter dem Facebook-Post der WLZ, die darüber berichtete, sammeln sich bereits erste kritische Stimmen. Und die sorgen sich teilweise um die Zukunft der Kinder.

Weil: Wenn das Abenteuerland weg ist, dann kann man ja mit den Kindern bald gar nichts mehr machen, dann gibt es in Korbach ja bald überhaupt nichts mehr. Dann irren da auf den Straßen im Landkreis bald viele verlorene Seelen herum. Ich bin da natürlich der falsche Ansprechpartner, weil ich gar keine Kinder habe. Die Katze oder dass man selber manchmal noch eins ist zählt ja nicht.

Ich kann mich nur an meine eigene Kindheit erinnern. Die war bombastisch und kam weitestgehend ohne diesen ganzen Aktivitätsfirlefanz aus. Was vielleicht an der guten Erziehung und der Einstellung meiner Eltern lag. Klar waren wir mal im Fort Fun, sind auf dem Pfingstmarkt Karussel gefahren, waren im Schwimmbad oder im Tierpark. Aber das sind nicht die Dinge, an die ich mich erinnere.

Ich erinnere mich an die Sonntage, weil meine Schwester und ich jeden Sonntag zu meiner Mutter ins Bett krochen und uns eine halbe Stunde lang Witze erzählten. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater mit uns spazieren ging, uns Pfeifen schnitzte und uns etwas über den Wald erzählte. Ich erinnere mich daran, wie ich in seiner Werkstatt neben ihm stand und mich darüber freute, dass er mir ein Stück Holz und Schleifpapier gab. Ich erinnere mich an den herrschaftlichen Westflügel meiner Wolldecken-Burg im Wohnzimmer und an die rote Kiste mit den ganzen Playmobil-Figuren, die immer noch auf dem Dachboden meiner Eltern steht.

Ich erinnere mich daran, wie wir Kinderserien nachgespielt haben. An die Scherbe in der Eder, in die ich mal reingetreten bin an dem Geburtstag meiner Schwester, an dem sie mich eigentlich nicht dabeihaben wollte, weil sie da schon groß war und ich noch klein. An offene Knie erinnere ich mich und Rollschuhfahren in der Raiffeisenstraße und daran, dass wir mal die saublöde Idee hatten, direkt an der Hauptstraße Barbie zu spielen. Und wie wir unser Taschengeld aufbessern wollten, indem wir durchs Dorf zogen und Steine verkauften.

Ich weiß nicht genau, ob die Menschen auf der Welt schlimmer geworden sind und man deshalb all diese Sachen nicht mehr machen kann als Kind. Vielleicht waren unsere Eltern früher furchtloser, vielleicht hatten sie mehr Vertrauen in uns, weil sie mehr Vertrauen in die Welt hatten, die heute – mehr als zwanzig Jahre später – eine andere ist. Ich weiß auch, dass ich das alles überhaupt gar nicht bewerten kann. Ich habe nur gerade an meine eigene Kindheit gedacht. Ich war kurz ein bisschen dankbar dafür, dass ich im Jahr 2015 kein siebenjähriges Kind bin. Und hoffe, dass meine Generation viele tolle kleine Menschen in die Welt setzt, denen verdammt nochmal irgendjemand beibringt wie man Hüpfekästchen spielt und ein anständiges Stickeralbun anlegt. Ernsthaft… gibt es Stickeralben noch? Ich wünsche es mir gerade so sehr.

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Porzellanladen

Mittagspause

Wenn man nahe genug am Fenster steht und sich dann bückt, dann verschwinden die beiden Häuser auf der rechten Seite aus dem Blickfeld und man nimmt abgesehen von dem Braun des Holztisches auf dem kleinen Balkon und dem schmutzigen Grau des Steinbodens nur noch zwei Farben intensiv wahr. Wenn man nicht so genau hinschaut, löst sich auch die Straßenlampe in Luft auf. Das Bild besteht dann zu zwei Dritteln aus einer laubgrünen Wand zum Nachbargrundstück mit den Bäumen dahinter und einem Drittel Himmel.

Manchmal tut der Wind dir dann noch einen letzten Gefallen und fährt über die Hecke hinweg, durch Zweige und Blätter, ein dumpfes Rauschen, das angenehmste Geräusch des Tages. Dann wird man ruhig, ganz automatisch, und man richtet den Blick nicht nach innen und auch nicht nach außen, sondern versucht ihn genau in der Mitte zu halten, hält für einen kurzen Moment die Balance, ungefähr an der Stelle, die normalerweise als erstes mit Augentropfen in Berührung kommt.

Wenn man nahe genug am Fenster steht, dann vergisst man, dass die Welt nicht nur aus drei oder vier perfekt aufeinander abgestimmten Farbtönen besteht und nicht nur aus gedämpften Hintergrundrauschen. Man vergisst den Ameisenhaufen, das grelle, das blutrote, das tiefschwarze Durcheinander, man vergisst die unangenehmen Begleiterscheinungen, den Lärm, das Kratzen der Fasern auf der Haut, die schlechten Nachrichten.

45 Minuten lang steht man da, lauscht, tankt irgendwie wieder auf, und schafft es manchmal, dieses friedliche Gefühl noch ein Stück weit aus der Wohnung rauszuschmuggeln, in einem Seitenfach der Handtasche, hinein in den Rest des Tages, wo es einem dann beruhigend im Nacken sitzt und daran erinnert, dass man seinen Puls jederzeit aus eigener Kraft nach unten korrigieren kann.